Es gibt viel zu Regeln in einer Patchwork-Familie

Eine neue Beziehung nach Trennung oder Scheidung kann ganz schön kompliziert werden,
wenn mindestens einer der Partner Kinder mitbringt. Formiert sich die Familie zu einer Patchwork – Familie Außerdem tun sich viele rechtliche Fragen auf. Damit sie hier den Überblick behalten, stehen hier die wichtigsten Themen.

Was ist eine Patchwork-Familie?

Bianca und Andreas, Bianca hat 2 Söhne aus frühere Ehe. Jetzt leben sie zusammen, und bei
ihnen wohnen auch Patrik und Stefan Kinder. In Stief- bzw. Patchwork-Familien leben
Kinder mit ihrer leiblichen Mutter oder ihrem Vater sowie einem Stiefelternteil zusammen.
Der wiederum eigene Kinder haben kann. Noch bunter wird die Familienstruktur durch
gemeinsamen Nachwuchs der Patchwork-Eltern bzw. neue Partner und Kinder des anderen
biologischen Elternteils.

Auch wenn es nur geschätzte Zahlen sind: Laut Familienreport 2012 des
Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind 10 bis 14 Prozent der
Familien in Deutschland durch solche Patchwork-Konstellationen gekennzeichnet. Für die
Statistik ist es dabei unerheblich, ob die jeweiligen Partner miteinander verheiratet sind oder
nicht. Unter rechtlichen Aspekten kann der Trauschein jedoch sehr wohl einen Unterschied
machen.

Was ist bei Unterhalt und Sorgerecht für das Kind zu beachten

Weil Bianca und Andreas ohne Trauschein zusammenleben, hat – im Gegensatz zu
verheirateten Paaren – keiner von beiden einen Unterhaltsanspruch gegen den anderen. Nur
bei einem gemeinsamen Kind wäre das anders: In dessen ersten drei Lebensjahren könnte
Bianca von Andreas einen finanziellen Ausgleich verlangen, wenn sie das Kind betreut und
deswegen weniger oder gar nicht arbeiten kann.

Unterhalt für ein Kind

Grundsätzlich sind für ein Kind immer nur die leibliche Mutter und der leibliche Vater
unterhaltspflichtig. Im Fall von Patrik und Stefan leistet ihn Bianca´s Ex-Mann Gerd.
Andreas als Stiefelternteil bleibt hier außen vor, egal ob er mit Bianca verheiratet ist oder
nicht. Dies würde sich nur dann ändern, wenn Andreas die Kinder adoptiert und er damit
automatisch auch für deren Unterhalt aufkommen müsste.

Sorgerecht und die Entscheidungen

Bianca hat mit Ex-Mann Gerd das gemeinsame Sorgerecht für Patrick und Stefan, weshalb
sie alle wichtigen Angelegenheiten der Kinder mit ihm zusammen entscheidet. Weil die
beiden bei ihr leben, darf sie Alltägliches allein regeln – etwa Patrick eine Entschuldigung
für die Schule schreiben und Stefan Bettgehzeiten festlegen. Andreas dürfte das, obwohl
auch er mit den Kindern zusammenlebt, nur mit einer entsprechenden Vollmacht der Eltern
(übrigens selbst als Ehemann von Bianca). Falls gewünscht, sollte diese am besten schriftlich
– ggf. auf bestimmte Anwendungsbereiche beschränkt -, mit Datum und Unterschriften
beider Sorgeberechtigten ausgestellt werden.

Patchwork-Familie und Erbschaft

Darüber nachzudenken, wie man für das Ableben vorsorgt bzw. was man hier wie regelt, ist
gerade wegen der Struktur von Patchwork-Familien wichtig. Einige wichtige Aspekte:

Gesetzliche Erbfolge

Stirbt in einer Patchwork-Ehe einer der Partner, erben – ohne anderslautendes Testament –
der Ehegatte und die leiblichen Kinder des Verstorbenen. Hatte er keine eigenen Kinder,
erben an ihrer Stelle seine Verwandten zweiter Ordnung. Stiefkinder gehen bei gesetzlicher
Erbfolge immer leer aus. Bei einem unverheirateten Paar wie in unserer Beispielfamilie
bekommen im Todesfall weder die Stiefkinder noch der überlebende Partner etwas. Stirbt
Andreas, werden Bianca und ihre Kinder erbrechtlich wie Fremde behandelt. Das gilt
zumindest dann, wenn zuvor nichts anderes per Testament oder notariell beurkundetem
Erbvertrag festgelegt wurde.

Versicherungstipp Risikolebensversicherung

Partner in Patchwork-Familien, die Lebensversicherungsverträge besitzen, können den
jeweils anderen als Bezugsberechtigten für Hinterbliebenenleistungen eintragen lassen. Im
Todesfall des Versicherungsnehmers unterliegen Zahlungen an Dritte jedoch der
Erbschaftsteuer, was für Ehegatten wegen ihres hohen Freibetrags selten ins Gewicht fällt.
Für Unverheiratete, die hier benachteiligt sind, wird eine Über-Kreuz-Konstruktion per
Risikolebensversicherung empfohlen: Dabei schließt jeder eine Risikolebensversicherung auf
das Leben des anderen ab und ist selbst Versicherungsnehmer, Beitragszahler und
Bezugsberechtigter. Stirbt der Partner, fließt die Versicherungsleistung, ohne dass
Erbschaftssteuer fällig wird.

Expartner ausklammern

Erben minderjährige leibliche Kinder, weil ihr Vater oder ihre Mutter stirbt, übernimmt bis
zur Volljährigkeit normalerweise deren verbliebener leiblicher Elternteil die Verwaltung
dieses Erbes. Das kann unangenehm oder problematisch sein – zum Beispiel, wenn es sich
dabei u. a. um die Wohnung handelt, in der Bianca mit ihren Kindern lebt.

Versicherungsschutz prüfen und anpassen

Formiert sich eine Patchwork-Familie, sollte gleich zu Anfang der vorhandene
Versicherungsschutz überprüft und den neuen Gegebenheiten angepasst werden. So
bestehen vielfach Einsparmöglichkeiten, sobald ein Paar zusammenzieht, weil dann in
bestimmten Versicherungsbereichen ein gemeinsamer Vertrag ausreicht. Verfügen
beispielsweise beide Partner über eine eigene Privat-Haftpflichtversicherung, empfiehlt sich
bei gemeinsamem Haushalt stattdessen ein Vertrag zum Familientarif. Am besten setzt man
sich mit dem Versicherer, bei dem der ältere Vertrag besteht, in Verbindung und lässt den
Partner (und dessen Kinder) eintragen. Danach kann die andere Versicherung benachrichtigt
und der jüngere Vertrag sofort gekündigt werden. Aber Achtung: Zwar sind grundsätzlich
alle im Haushalt lebenden Kinder (bis zum Ende der Schul-/Berufsausbildung)
mitversichert, doch nicht immer sind auch Schäden eingeschlossen, die unter
Siebenjährige (deliktunfähige Kinder) verursachen.

Auch in der Hausratversicherung ist bei einem gemeinsamen Haushalt ein Vertrag
ausreichend. Sollten beide Partner eine Hausratversicherung mitbringen, aber nun einen
gemeinsamen Vertrag wünschen, dann wird der früher begonnene Vertrag weitergeführt.
Wichtig ist, dass die Versicherungssumme den neuen Verhältnissen angepasst wird und
insgesamt dem Neuwert des Hausrates entspricht, um eine Unterversicherung im
Schadenfall zu vermeiden.